Stubairunde

Die böse Zahl 3 – oder ……eine superschöne Stubairunde!

Das Zuckerhütl, 3.507 m
Das Zuckerhütl, 3.507 m

3 Jahre, 3 Fehlversuche für die Erstbesteigung des Zuckerhütls von Jessica und Martin.
3 Jahre ohne Siegerlandhütte für Tanja.
Das hatte Carsten Stahl zum Anlass genommen, eine Tour zu planen, die es ausgehend von der Siegerlandhütte tagelang möglich machen sollte, dem Zuckerhütl einmal aufs Dach zu steigen.
Aber nun im Einzelnen:
Am Samstag, den 29. August trafen sich Tanja, Jessica und Martin auf der Siegerlandhütte, um eine sehr schöne Tour zu machen. Damit war im Grunde die “Mission Tanja“ bereits erfüllt. Nach einigen Mühen war sie auf der Siegerlandhütte angekommen……!
Der Montag wurde dann genutzt, um Tanja die Grundfertigkeiten im Umgang mit Steigeisen, Pickel, Eisschraube etc. beizubringen. Auch wurde für uns alle die Spaltenbergung noch einmal ausführlich geübt und mit der “Besteigung“ des Scheiblehnkogel, dem Hausberg der Siegerlandhütte, der erste 3000er geknackt. Bei schönstem Bergwetter bot sich uns ein erster Blick auf die eindrucksvolle Bergkulisse der Stubaier Alpen.
Am Sonntag starteten wir dann in aller Frühe, um über den Triebenkarlesferner und “unseren“ neuen Steig hinauf zum Pfaffensattel (Anmerkung: Der Steig wurde im Sommer 2007 von der Hochtourengruppe umfassend erneuert) zu steigen. Hier ist besonders anzumerken, dass die Überwindung der 1,13 m breiten Randkluft zwischen Triebenkarlesferner und Einstieg des Steigs unseren Damen doch eine größere Portion Mut abverlangte. Diese konnte entweder durch einen beherzten Spreizschritt oder aber durch einen dynamischen Sprung in Tarzanmanier überwunden werden.
Der Steig fügt sich sehr schön in den steilen Geländebruch vom Pfaffensattel, ist jederzeit gut abgesichert und verlangt nur ein wenig Aufmerksamkeit wegen der Steinschlaggefahr. Etwas oberhalb des Pfaffensattel an der Flanke des Wilden Pfaffes angekommen, war das Zuckerhütl nun schon zum Greifen nahe.

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Seilsalat!
Seilsalat!

Oben angekommen waren dann die Steigeisen schnell wieder montiert und über den Rand des Sulzenauferners ging es zum kurzen Anstieg Richtung Zuckerhütl. Nach ein wenig einfacher und sehr schöner Felskletterei standen wir nun endlich auf dem höchsten Gipfel der Stubaier Alpen. Dort hatte Carsten einen Prosecco zur Begrüßung kalt gestellt. Er hatte die Flasche bereits drei Tage zuvor dort oben zwischen Felsen deponiert, um den Anlass unserer Erstbesteigung gebührend feiern zu können. 3.507 m hoch ist der Stand auf dem Gipfel klasse und die “Mission Jessica und Martin“ bereits ebenso erfüllt!
Weiter ging es auf den Wilden Pfaff, dessen Gipfel wir nach einem kurzen Gegenanstieg vom Pfaffensattel aus schnell erreicht hatten. Von hier aus ging es dann über den Ostgrat weiter abwärts Richtung Müllerhütte.
Wir hatten das Glück, uns am Gipfelkreuz des Wilden Pfaffs vorbeigehend mit einer Prussikschlinge direkt in das vorbereitete Fixseil einer Gruppe aus Detmold einklinken zu können, was uns erst einmal einen guten Zeitvorteil brachte. Dieser Vorteil war aber schnell wieder vorbei, denn die Gruppe hatte, nachdem wir gemeinsam unsere Seillänge durchstiegen hatten, nur noch “Seilsalat“ für die weitere Sicherung anzubieten.

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Der Einstieg in die “Höhle“
Der Einstieg in die “Höhle“

Trotzdem sind wir noch gut und einigermaßen zügig an der Müllerhütte angekommen. Dort wurden wir von Moses, dem Hüttenhund freudig begrüßt.
Am nächsten Tag war dann Erholung angesagt und wieder Kaiserwetter! Auf dem Programm stand von der Müllerhütte aus die Überschreitung des Wilden Freiger und des Signalgipfels. Nachdem wir von der Müllerhütte kommend die “große Spalte“ überschritten hatten, stiegen wir in den Westgrat des Wilden Freigers ein. Bei der einfachen aber schönen Gratkletterei sicherten wir uns dort wo keine Stahlseile im Fels verankert waren mit dem gleitenden oder laufenden Seil, was wir ja schon am Zuckerhütl kennengelernt hatten. Vom Gipfel stiegen wir dann über den Grat Richtung Signalgipfel und schließlich wieder auf den Übeltalferner ab. Dort konnten wir es dann nicht lassen, dem in diesem Sommer verwaisten Becherhaus einen Besuch abzustatten. Hier konnten wir vor dem Rückweg zur Müllerhütte ein wenig die Stille in der Sonne genießen.
Nach einer ausgiebigen Mittagsrast auf der Sonnenterrasse der Müllerhütte – der italienische Cappuccino ist wirklich der Beste – hatten wir uns noch die Erkundung der großen Gletscherspalte oberhalb der Hütte vorgenommen. Diese Gletscherspalte wurde in den letzten beiden Jahren jeweils Anfang August von der Crew der Müllerhütte und Freunden freigelegt, um die Ice Parade stattfinden zu lassen. Die Ice Parade ist eine Spaßveranstaltung, bei der ein in der Gletscherspalte mit viel Mühe angelegter Klettersteig möglichst schnell durchklettert werden muss.

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unter dem Übeltalferner
unter dem Übeltalferner

Nachdem wir uns in die riesige Spalte abgelassen hatten, konnten wir in die Spalte einsteigen. Etwas mulmig war uns anfangs schon in der riesigen Spalte, aber der Blick in die Welt unter dem Übeltalferner ist schon sehr eindrucksvoll…..!

Jessicas Eisbärenmut wurde von den Jungs übrigens mir einem original Ice Parade T-Shirt, welches es auf der Hütte noch zu kaufen gab, belohnt.
Nach einem zünftigen Hüttenabend mit Quetschkommode und Tuba konnten wir noch eine weitere Nacht auf über 3000 m Höhe verbringen.
Am Mittwoch sollte uns die Überquerung der Son(n)klarspitze dann wieder Richtung Siegerlandhütte bringen. Aufgrund der schlechten Wettervorhersage starteten wir schon in aller Frühe und gelangten über den Übeltalferner auf den Ostgrat und dann mit einfacher Kletterei relativ schnell zum Gipfel. ….und wie konnte es anders sein: Die Sonne begrüßte uns auf dem Gipfelplateau. Nachdem wir uns in beide, das italienische und das österreichische Gipfelbuch eingetragen hatten, überschritten wir den Gipfel Richtung Hohes Eis. Das war die dritte Gipfelüberschreitung in drei Tagen, welch ein Zufall.

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Gipfelbucheintrag
Gipfelbucheintrag

Nach einem schönen letzten Blick über die mächtige Bergkulisse ging es dann noch einmal über Firn, Gletscherspalten, große Blöcke und ein wenig einfache aber tolle Gratkletterei hinunter ins Windachtal zur Siegerlandhütte.
An diesem letzten Abend auf der Siegerlandhütte diskutierten wir noch einmal die vielen fremden Abkürzungen wie Fortl., Notl., Matr. und Scheibl., die uns auf der Tour begegnet waren (schaut mal im Hüttenbuch nach). Viel Spaß hatten wir auch noch bei immer wieder neu erfundenen verschärften Versionen von MauMau und anderen Kartenspielen.
Übrigens war es uns an diesem letzten Abend nicht mehr vergönnt, standesgemäß in Adlerhorst (Eulennest) und Hühnerstall (Taubenschlag) zu übernachten, den beiden Kammern ganz oben unter dem Dach der Siegerlandhütte, die wir in den ersten Nächten unserer Tour kennenlernten. Danke an Carsten für die schöne Tour!

Martin Thomas

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