Schneeschuhtour

Schneeschuhtour im Kleinwalsertal und Bregenzer Wald

Schon wieder ist ein Jahr vergangen, und der ist Winter da, Zeit für die fünfte Schneeschuhtour der Hochtourengruppe in Folge. Zuerst gab’s großen Andrang auf die begehrten Teilnehmerplätze, dann kurzfristig einige absagen und hektisches Umorganisieren. Aber letztlich war klar: sechs Männer und eine Frau laufen Schneeschuh im Kleinwalsertal und Bregenzer Wald! Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle Carsten Stahl, der kurzfristig die Führung der Tour übernommen hatte, nachdem dies erforderlich wurde.

Wir trafen uns Sonntagnachmittag an der Auenhütte unterhalb des Ifen, am Aufstieg zur schön gelegenen Schwarzwasserhütte (1.651 m). Wegen des nass-kalten Wetters war der freundliche Empfang dort sehr angenehm für uns. Die Hütte war gut besucht, besonders lebhaft war die große Gruppe englischer Soldaten, die sich offensichtlich schon für die Abenteuer des folgenden Tages stärken musste.

Am nächsten Tag lachte die Sonne, und milde Temperaturen sorgten für angenehme Bedingungen bei der unvermeidlichen  LVS-Übung (Lawinen-Verschütteten-Suche).

Etwas abseits der Hütte auf einer bis dahin wunderschönen, unberührten Schneefläche  vergrub Carsten ein LVS-Gerät, und wir zertrampelten den Schnee bei unseren Peilversuchen und Sondierungsbemühungen.  Auch wenn jeder letztendlich das „Lawinenopfer“ gefunden hatte, bestärkte uns die Übung doch wieder in der Erkenntnis, alles zu tun, um jegliches Risiko zu vermeiden, um nie wirklich in eine Lawine zu geraten. Dieser wichtige Vorsatz sollte uns die ganze Woche begleiten und unsere Tourenplanung beeinflussen. 

Nach der LVS-Übung brachen wir gegen Mittag doch noch zu einer ersten Bergbesteigung auf. Der Schnee war außer von einigen Tierspuren völlig unberührt. Unser Ziel: der Vorgipfel des Hählekopf (2.058 m), da der eigentliche Gipfel von Engländern bevölkert war. So genossen wir unser eigenes ungestörtes Gipfelglück und benannten den bisher namenlosen Hübbel (cirka 2.010 m) einfach: „Saubuckel“.

Am nächsten Morgen starteten wir bei nebligem, feuchtem Wetter Richtung Litzescharte und Ochsenhofer Köpfle (1.950 m).

Die eigentlich geplante Tour Richtung Ochsenhofer Scharte mussten wir aufgrund der Lawinengefahr verwerfen. Auch den Rückweg konnten wir nicht wie geplant über den Ifersgrund nehmen (auch wenn es uns noch so sehr reizte). Das Lawinenmaul oben am Ifen war deutlich und drohend zu erkennen.

So waren wir schon mittags wieder zurück auf der Hütte, und Carsten nutzte die Chance, eine verschärfte Lawinenübung mit „Sondieren für Fortgeschrittene“ anzuberaumen. Zur Entspannung gab es einen gemütlichen  Hüttenabend mit zünftigem Kartenspiel.

Ab Mittwoch hatten wir dann jeden Morgen dasselbe Bild: strahlend blauer Himmel über glänzend weißem Schnee mit T-Shirt-Temperaturen! Eigentlich Traumwetter! Nachteil: der Schnee wurde im Tagesverlauf sulziger und schwerer, und die Lawinengefahr stieg deutlich an. Wir mussten also unsere Gipfel morgens besteigen und nachmittags ein Alternativprogramm entwickeln. Hierfür war die neue Hütte, zu der wir jetzt wechselten, bestens geeignet.

Nach unserer Tour über Gerachsattel, Neuhornbachjoch und dem Abstecher auf das Kreuzmandl, 1.974 m, (wieder eine wunderschöne Tour, auf der wir anscheinend allein auf der Welt waren) wurden wir in der Neuhornbachhütte herzlich begrüßt. Mit den Fragen nach unseren Wünschen zu Abendessen und Sauna war unsere Schneeschuhwelt absolut ok. Aber vorher nutzten wir das spezielle Hüttenangebot: eine Rodelpartie, 5,5 km lang und über 800 Höhenmeter ins Tal! Eine tolle Fahrt war es, wirklich ein wahrer Genuss, aber leider viel zu schnell vorbei, vor allem im Vergleich zum unvermeidlichen Aufstieg, für den wir in dem sulzigen Schnee deutlich mehr Zeit als auf den Wegweisern angegeben brauchten. Zum Glück wurden die Rodel mit dem Lastenaufzug zur Hütte zurückgebracht.

Georgs unfreiwilliger Abstecher von der Rodelpiste in den waldigen Steilhang ging Gott sei Dank glimpflich aus. Den Donnerstag verbrachten wir mit einem „Ausflug“ in den Touristenrummel. Um zum Gipfelkreuz auf dem Diedamskopf (2.090 m)

zu gelangen, mussten wir das Skigebiet queren. Diese eher unangenehme Strecke wurde mit einer Einkehr auf der Bergstation ausgeglichen. Zumindest waren wir im Skigebiet relativ lawinensicher unterwegs. Sobald wir etwas abseits des Skirummels waren, gehörte die Winter-Bergwelt wieder uns alleine. Das haben wir wirklich genossen!

Wieder auf der Hütte erwartete uns eine angenehme Überraschung. Angesichts des Frühlingswetters hatte der Hüttenchef den Grill angeworfen und wir konnten mit einem reichhaltigen, leckeren Essen auf der Terrasse die Grillsaison 2012 eröffnen!

Das Highlight der Woche wurde unsere Tour am Freitag in den Sonnenaufgang. Das Aufstehen um 04:40 Uhr fiel zwar nicht leicht, aber die angenehme Kühle und der gut zu laufende, gefrorene Schnee beim Start um 05:00 Uhr machten uns wach und frohgestimmt. Zunächst funkelten und glänzten die Sterne am Himmel. Im Schnee konnten wir erstaunlich gut sehen, wir benötigten kaum unsere Stirnlampen. Langsam wurde der Lichtstreifen über den Bergen wahrnehmbar und dann immer heller. Scheinbar erloschen die Sterne, eine besondere Stimmung entstand in der Dämmerung. Zwei markante Sternschnuppen flogen spektakulär über den Himmel.

Über die Starzelscharte, wo wir die Schneeschuhe auszogen, gelangten wir auf den Grat des Grünhorns (2.039 m). Soweit es zu verantworten war, stiegen wir hinauf.  Aufgrund der brüchigen Wechten und der großen Lawinenmäuler mussten wir einige Höhenmeter unterhalb des Gipfels stoppen. Es war gerade rechtzeitig, um den Aufgang der Sonne über den Allgäuer Gipfeln zu genießen - ein fantastisches Schauspiel!

Zurück auf der Hütte gab es ein reichhaltiges Frühstück, das wir Anfang März um 09:00 Uhr auf der Terrasse im T-Shirt genießen konnten!

Nach einer ausgedehnten Entspannungsphase entschlossen wir uns zu einer erneuten Rodeltour, den Gedanken an den notwendigen Aufstieg erfolgreich verdrängend. Wir schickten unsere Schneeschuhe mit dem Lastenaufzug ins Tal in der irrigen Annahme, dass die alternative Aufstiegsroute mit Schneeschuhen leicht zu bewältigen wäre für uns. Im Gegenteil, der Aufstieg entlang der Waldabfahrt und die letzten gut 150 Höhenmeter auf der schwarzen Skipiste steil bergauf forderte die letzten Kraftreserven (zumindest meine). Schade, dass der Skibetrieb bereits beendet war. Oben angekommen wurden wir mit einem perfekten Sonnenuntergang belohnt. Noch eine halbe Stunde Marsch und wir waren doch wieder bei der Hütte angekommen.

Was für ein Tag, vor Sonnenaufgang raus und nach Sonnenuntergang zurück, den ganzen Tag nur draußen und immer (zu) warm, an einem 02. März!

Bei der Rückkehr am nächsten Tag gingen wir über das Steinmandl (1.981 m) zur Schwarzwasserhütte, weiter ins Tal zur Auenhütte und zurück zu den Autos. Unterwegs konnten wir mehrere teils eindrucksvolle Schneerutschen und Lawinen sehen, die in den letzten Tagen entstanden waren. Dies bestätigte uns, dass unsere eher defensive Routenwahl sehr angemessen gewesen war.

Urdel Götting